Ramschpreise für Milch

Preissenkungen bei Aldi zeigen Notwendigkeit einer grundlegenden Agrarwende

13.05.2016

Als unsanften Weckruf für Politik und weite Teile der konventionellen Landwirtschaft wertet der Bio-Anbauverband Naturland die erneute Preissenkung für Milchprodukte beim Discounter Aldi. „46 Cent für den Liter Milch im Laden sind ein unanständiger Preis, der unsere konventionellen Berufskollegen hart trifft und den Verbrauchern das falsche Signal sendet, dass es immer noch billiger geht“, sagte der Öko-Bauer und Naturland Präsidiumsvorsitzende Hans Hohenester am Mittwoch in Gräfelfing.

Tatsächlich zeige dieser Preiskrieg aber vor allem eines: „Eine Landwirtschaft, die vor allem auf Intensivierung der Produktion, Betriebswachstum und Export setzt, führt in die Sackgasse,“ betonte Hohenester. Die aktuelle Entwicklung auf dem Milchmarkt zeige dies in besonderer Deutlichkeit.

Nach dem Wegfall der Quotenregelung ist Milch ein Rohstoff auf dem Weltmarkt geworden. Konventionelle deutsche Milchviehhalter müssen mit Kollegen aus aller Welt konkurrieren. „Dass den heimischen Bauern da irgendwann die Luft ausgeht, weil sie als Familienbetriebe die Preisschwankungen auf dem Weltmarkt kaum kompensieren können, musste eigentlich jedem klar sein. Doch anstatt gegenzusteuern, wurde diese fatale Entwicklung sogar noch forciert, etwa durch falsche Förderanreize,“ sagte der Naturland Präsidiumsvorsitzende.

Öko-Landbau als erfolgreiche Alternative

Das Gegenkonzept zu diesem gescheiterten Export-Ansatz bietet der Öko-Landbau. Der Bio-Milchpreis ist nicht nur deutlich höher als für konventionelle Milch, sondern vor allem auch sehr viel stabiler. „Öko-Bauern produzieren nicht Masse für den Weltmarkt, sondern Qualität für die Region. Wer Bio-Milch kauft, weiß, dass er damit auch einen Beitrag für mehr Tierwohl, zum Erhalt unserer Umwelt und zur Stärkung unserer heimischen Landwirtschaft leistet. Das ist vielen Menschen einen angemessenen Preis wert,“ sagte Hohenester.Grasende Milchkühe

Der Naturland Präsidiumsvorsitzende erneuerte deshalb die Forderung nach einer grundlegenden Agrarwende. Denn nur eine Landwirtschaft, die die Interessen von Umwelt, Mensch und Tier gleichermaßen im Blick hat, ist wirklich zukunftsfähig. Eine solche Landwirtschaft habe aber ihren Preis, betonte der Naturland Präsidiumsvorsitzende. Deshalb seien die nun von Aldi bekannt gegebenen Preissenkungen – auch wenn sie Bio nicht direkt betreffen – ein Signal in die falsche Richtung. „Zum Glück zeigen neben dem Naturkosthandel inzwischen auch wachsende Teile des konventionellen Einzelhandels, dass sie sich ihrer Verantwortung hier stärker bewusst sind,“ unterstrich Hohenester.

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